Tagebuch 3
Tagebuch 3
Liebe Isabelle, lieber Philipp,
wir haben gute Nachrichten für Euch: die Bergfexe leben auch in Norwegen! Hier heißen sie Trolle und machen das gleiche wie zuhause in den Bergen. Sie helfen Kindern beim Wandern, ihr Ziel zu erreichen. Als wir heute den großen Felsen oben auf dem Bild erklommen (Grüße an meine Grammatik-Lehrerin Bettina) haben, kamen uns die Trolle mehrfach zur Hilfe. Immer wieder haben sie für Emma und Nils auf der Wanderstrecke Guzies (also Süßigkeiten) versteckt, so dass die beiden ganz toll auf den hohen Berg gewandert sind. Leider haben wir auch dieses Mal keinen persönlich getroffen, Melli hat nur einmal eine Staubwolke gesehen. Aber auch hier leben sie verborgen.
Es war ein mutiges Vorhaben heute. Und es war ein Kraftakt! Und die Stimmung war nicht immer nur gut. Oft mussten wir Nils und Emma mit Hilfe der Trolle motivieren, doch am Ende haben wir es geschafft: Wir haben Norwegens Vorzeigefelsen, den Preikestolen hoch über dem Lysefjord erklommen. Für die Kinder schien die Aufgabe fast unlösbar. 3,8 Kilometer ein Weg, das ist zu schaffen, allerdings sind 350 Höhenmeter zu überwinden und schier endlose Geröllhalden und große Felsen! Die Wanderroute wird als schwer und mit einer Wanderzeit von zwei Stunden beschrieben. Wir haben sie schließlich in dreienhalb Stunden rauf und in knapp drei Stunden runter geschafft.
Es war der Tag von Emma und Nils. Denn sie kämpften sich durch, Emma den ganzen und Nils den größten Teil des Weges. Er saß öfters auf unseren Schultern und wurde getragen, allerdings erst richtig beim Abstieg. Am schwersten waren beim Abstieg die felsigen Geröllhalden, da musste Nils auch laufen. Am Ende ging es aber wieder gut und er ist das Schlussstück gelaufen und hat die ganze Zeit von den spannenden Erlebnissen und den Trollen erzählt.
Der Preikestolen liegt 604 Meter über Meereshöhe und dem Lysefjord. Es ist eine Felskanzel, der spektakulär über dem Fjord hängt. Von dem Felsen geht es steil bergab in Richtung Fjord - ohne Sicherung. Ein spektakulärer Platz! Natürlich ist man hier nicht alleine. Zum Glück haben wir uns früh auf dem Weg gemacht, nachdem wir direkt auf dem Wanderparkplatz übernachtet hatten. Während unseres Aufstiegs kommen immer mehr Menschen und an diesem Tag sind es sicher um die Tausend, die zum Preikestolen wandern. Da gibt es komische Zeitgenossen, die kaum Rücksicht auf uns und die Kinder nehmen und zum Glück auch solche, die die Kinder motivieren. Wir lernen, dass es im Norwegischen das Wort „flink“ gibt, denn das bekommen die Kinder mehrfach lobend zu hören. Norweger sind auf dem Weg in der Hauptsaison allerdings längst nicht die Mehrheit. Es ist ein buntes Sprachengewirr hier: viele Südeuropäer, Asiaten, Tschechen, Holländer und natürlich Deutsche!
Doch der Preikestolen belohnt für die Strapazen. Es gehört dazu, an den Rand der Felswand zu robben und 604 Meter senkrecht nach unten zu gucken!
Fotos: Auf dem Weg zum Gipfel und dann am felsigen Ziel. Ein wunderbarer Blick über den Lysefjord, der 40 Kilometer ins Land geht.
Leider ist Mellis Knie am Abend dick - der Preis für die Wanderung. Wir fahren am Abend weiter in Richtung Bergen, machen nach 100 Kilometern Station an einem Fähranleger in einem Ort namens Sand. Ein schöner Ort. Am Montag geht es nach Bergen.
Nachtrag
Wir danken Elisabeth, der lieben Apothekerin aus Fredrikstad, die uns noch einen Hinweis schickte: flink heißt so viel wie toll, geschickt, fleißig! Sie empfiehlt den Link http://www.heinzelnisse.info/dict für die, die mal was in Norwegisch übersetzen wollen.
604 Meter hoch über dem Lysefjord, 3,8 Kilometer Wanderweg mit 350 Höhenmetern - das sind die Daten unserer heutigen Wanderetappe.
Ein Kraftakt!
Sonntag, 12. Juli 2009
Links ganz klein: Melli ganz mutig!